Weltfrauentag: Wann, woher und wirklich wichtig?

Weltfrauentag: Wann, woher und wirklich wichtig?

Der Weltfrauentag wird inzwischen seit über 100 Jahren gefeiert. Das zentrale Thema war zu Beginn das Wahlrecht für Frauen, das noch immer kein weltweites Recht ist. Darüber hinaus existieren viele weitere Missstände, die von Gehaltsunterschieden über Body Shaming bis zum Victim Blaming reichen. Bei Protestläufen und natürlich online, bei Filmfestivals oder Konzerten wird weltweit am 8. März auf Ungleichgewichte hingewiesen und für Gleichberechtigung gekämpft.

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Du bist wie jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Gerade als du dir deinen Kaffee beim Bäcker geholt hast und die letzten Treppen zum Bahnsteig nehmen willst, streckt dir jemand eine Blume entgegen. Du willst schon geschickt mit einem Schritt nach links ausweichen, und öffnest schon den Mund, um ein monotones “Nein danke” zu murmeln, als dir noch ein fröhliches “Alles Gute zum Weltfrauentag” zugerufen wird. Du nimmst die Blume doch an und setzt deinen Weg zur Arbeit fort.

Was muss ich über den Weltfrauentag wissen?

In der Bahn fragst du dich: Was hat es eigentlich mit dem Weltfrauentag auf sich? Handelt es sich um einen kommerzialisierten Tag, an dem politische Parteien neue Wählerstimmen gewinnen wollen und Drogerien mit Prozenten um sich werfen? Oder steckt hinter diesem Tag vielleicht doch mehr, als sich auf den ersten Blick auf die Blume in deiner Hand vermuten lässt? Hier erfährst du alles, was du über den Weltfrauentag wissen musst: Warum es ihn gibt, wie er international gefeiert wird und worum es dabei ganz bestimmt nicht geht.

Wann wird der Weltfrauentag gefeiert?

Wann ist Weltfrauentag?

Der Weltfrauentag findet jährlich am 8. März statt. Anders als viele christliche Feiertage, wie zum Beispiel Ostern, oder Shopping-Events wie der Black Friday, ist er damit an ein bestimmtes Datum gebunden. International handelt es sich dabei in einigen Ländern um einen gesetzlichen Feiertag. Damit unterscheidet sich der Weltfrauentag auch vom Valentinstag, der maximal als Feiertag der Blumenindustrie gehandhabt wird.

Warum gibt es den Weltfrauentag?

Der Weltfrauentag hat keinen kommerziellen Schwerpunkt. Er soll international auf die Gleichstellung der Geschlechter und die Gleichberechtigung der Frau aufmerksam machen. Gehörst du zu 14 Prozent der Deutschen, die denken, dass die Diskriminierung von Frauen in der deutschen Gesellschaft kein Problem darstellt? (vgl. Statista Research Department, 2018). Wir müssen dich leider enttäuschen. Ein Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (vgl. Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2017), der die gestellten Anfragen analysiert hat, stellte folgende Ungleichheiten fest:

  • Frauen werden im Arbeitsleben aufgrund von Elternschaft oder Schwangerschaft diskriminiert, indem der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert oder verhindert wird.
  • Knapp 60 Prozent der Frauen geben an, sexuell belästigt worden zu sein, rund 15 Prozent waren bereits Opfer von sexualisierter Gewalt.

Ist der Weltfrauentag notwendig?

Der Gender Pay Gap, also die Gehaltsdifferenz von Männern und Frauen lag auch im Jahr 2018 im deutschlandweiten Schnitt noch bei 21 Prozent (vgl. Statistisches Bundesamt, 2019). Der Wert hat sich damit in den letzten Jahren kaum verändert. Wer sich jetzt mit dem Argument retten möchte, dass der Gehaltsunterschied durch die häufige Teilzeitbeschäftigung von Frauen entsteht, wird auch an dieser Stelle enttäuscht: Der Wert bezieht sich auf den Bruttostundenverdienst!

Zur Interpretation dieser Zahlen muss berücksichtigt werden, dass das Empfinden von Diskriminierung immer subjektiv ist. Wer tagtäglich mit rassistischen oder sexistischen Situationen konfrontiert wird, nimmt diese nämlich häufig gar nicht mehr als Diskriminierung wahr.

Seit wann gibt es den Weltfrauentag?

Der erste Weltfrauentag fand bereits im Jahr 1911 statt, allerdings am 19. und nicht wie heute am 8. März. Er findet seinen Ursprung bereits in der Weimarer Republik und entstand aus der Forderung nach Gleichberechtigung. Eine der wichtigsten Errungenschaften war das Wahlrecht für Frauen. Gleichzeitig kämpften Arbeiterinnen um ihre Rechte. Immerhin spielten diese während der Weltkriege eine wichtige Rolle, da sie die Arbeitsplätze übernahmen, die vorher von Männern besetzt worden waren.

Wahlrecht als Ziel des Weltfrauentags

Der Tag hat einen sozialistischen Ursprung. Aufgrund dieses sozialistischen Zusammenhangs und dem Bild der Frau, das dem des Nationalsozialismus gegensätzlich war, wurde der Frauentag während des Zweiten Weltkrieges verboten. Diejenigen, die am 8. März verborgen im Untergrund feierten, setzten ein Zeichen für den Widerstand. Symbolisch dafür waren rote Gegenstände oder Kleidung, die öffentlich sichtbar gelüftet oder getrocknet wurden. Im Jahr 1975 veranstalteten die Vereinten Nationen zum ersten Mal ein internationales Fest und widmen den 8. März seitdem sowohl der Gleichberechtigung der Frau als auch dem Weltfrieden. Erst mit der Wiedervereinigung Deutschlands hat sich der Weltfrauentag auch in Deutschland wieder weitgehend etabliert.

Woher kommt der Weltfrauentag?

Als Geburtsstunde des Weltfrauentags gilt die zweite Sozialistische Frauenkonferenz, die im August 1910 in Kopenhagen abgehalten wurde. Dort forderte die deutsche Feministin Clara Zetkin die Einführung dieses jährlichen Feiertages.

Wie wird der Weltfrauentag gefeiert?

Jährlich wird von den Vereinten Nationen ein Schwerpunkt für die Feierlichkeiten festgelegt. Dieser Schwerpunkt orientiert sich an den verschiedenen Lebensbereichen, in denen Frauen nach wie vor Diskriminierung erfahren. 2019 stand die Verbesserung der Bildung für Frauen und Mädchen im Mittelpunkt.

Was passiert am Weltfrauentag?

Was macht man am Weltfrauentag?

Hier findest du einige Vorschläge und Ideen, wie du den Weltfrauentag verbringen kannst.

  • Demonstrieren: Du willst dir Gehör verschaffen? Dann besuche eine der Kundgebungen für Frauenrechte. Es gibt zum Beispiel den Sisters' March in Hamburg, die Demo zum Internationalen Frauen*kampftag in Berlin oder die Demo vom Odeonsplatz in München.
  • Feiere inspirierende Frauen: Eigentlich kennt doch jede/r eine Frau, die ihn oder sie beeindruckt. Ganz gleich, ob durch ihre Art, beruflichen Erfolg, eine starke Meinung, Durchhaltevermögen, Zielstrebigkeit oder anderes. Vielleicht handelt es sich bei dieser inspirierenden Persönlichkeit um Mutter, Oma, Schwester, beste Freundin, Bekannte oder Arbeitskolleginnen? Bestärke sie in ihrem Tun und schenke ihr durch deine Worte die Anerkennung, die ihr gebührt.
  • Lesen: Ja, das klingt nicht unbedingt nach Party, ist aber sehr inspirierend. Die Geschichten starker Frauen haben unsere Welt immer wieder bewegt und tun es heute noch. Zu den schönsten Büchern zum Weltfrauentag gehört zum Beispiel “Liebe Ijeawele” von Chimam Ngozi Adichie - ein Brief an eine frischgebackene Mutter und gute Freundin mit Tipps, wie ihre Tochter zu einer starken, selbstbestimmten Persönlichkeit wird. Auch hoch im Kurs ist “Wüstenblume” von Waris Dirieanda. Der autobiografische Roman hat Milliarden von Menschen bewegt, nicht zuletzt aufgrund des wichtigen Themas - die Beschneidung an Frauen - wurde das Buch verfilmt. Ebenso wie “Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen”: schwarze Frauen, die bei der NASA arbeiten, ihren Intellekt aber nicht ausschöpfen können. Dabei handelt es sich um eine wahre Geschichte hochkarätiger Wissenschaftlerinnen. Wenn ihr diese Bücher lesen wollt, könnt ihr mit einem Thalia Gutschein beim Kauf ein paar Prozent sparen.

Was schenkt man zum Weltfrauentag?

Bevor du die Frage stellst, welche Blumen man am besten zum Weltfrauentag schenkt, informiere dich besser, warum man den Weltfrauentag feiert. Die Antwort nach dem perfekten Geschenk lautet also ganz einfach: Gleichberechtigung aller Geschlechter. Dieses Geschenk zu besorgen, gestaltet sich also schwieriger, als einfach in den Blumenladen zu laufen, und dem Tag damit auf dem Weg in die falsche Richtung zu begleiten.

In welchen Ländern wird der Weltfrauentag gefeiert?

In manchen Ländern wir dem Weltfrauentag besondere Bedeutung beigemessen: Er wird als gesetzlicher Feiertage gehandhabt. Einige davon sind:

  • Russland,
  • die Ukraine,
  • Georgien,
  • China,
  • die Mongolei,
  • Angola,
  • Sambia und
  • Madagaskar.

In nur 27 Ländern müssen die Menschen an diesem Tag nicht zur Arbeit. Wie du an der Aufzählung oben erkennen kannst, handelt es sich dabei hauptsächlich um afrikanische Länder sowie ehemalige Sowjetrepubliken.

Weltfrauentag als Feiertag

Warum ist der Weltfrauentag in Berlin ein Feiertag?

Auch in Berlin ist der 8. März seit dem Jahr 2019 ein gesetzlicher Feiertag. Ausgesprochen hatten sich dafür die Linken, die SPD und schlussendlich auch die Grünen. Vorausgegangen war der Debatte die Entscheidung der Nord-Bundesländer, die den 31. Oktober zum gesetzlichen Feiertag erklärten. Damit stand Berlin mit nur neun gesetzlichen Feiertagen im Jahr unter Zugzwang. Schlussendlich wurde der Weltfrauentag als zusätzlicher gesetzlicher Feiertag auserkoren, der nicht an bestimmte Jubiläen gebunden ist.

Was sollte am Weltfrauentag vermieden werden?

Inzwischen machen sich viele Unternehmen den Weltfrauentag zunutze, um ihre Verkaufszahlen mit Aktionen in die Höhe zu treiben. Pralinen und Sekt im Angebot sorgen leider aber nicht für Gleichberechtigung. Genauso wenig wie 20 Prozent Rabatt bei deinem liebsten Klamotten-Laden. Ein fairer Lohn ist wichtiger, als ein bunter Prospekt voller Weltfrauentags-Angebote oder eine Blume für jede weibliche Angestellte.

Sich am Weltfrauentag über WhatsApp Bilder von männlichen Waschbrettbäuchen zu schicken, ist übrigens genauso wenig ein Ausdruck von Gleichberechtigung, sondern eher Sexismus in die Gegenrichtung.

Ganz gleich, wie du am Ende zum Weltfrauentag stehst: Die Gleichstellung aller Geschlechter sollte nicht nur an einem Tag im Jahr deine Aufmerksamkeit erregen, sondern ein Anliegen sein, auf das jede und jeder im Alltag ein Auge hat.


Quellen:

  • Statista Research Department (2018): “Umfrage zur Diskriminierung von Frauen in der deutschen Gesellschaft 2018”. [online] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/803174/umfrage/umfrage-zur-diskriminierung-von-frauen-in-der-deutschen-gesellschaft/ [18. Februar 2020]
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2017): “Diskriminierung in Deutschland”, S. 15 ff.
  • Statistisches Bundesamt (2019): “Gender Pay Gap”. [online] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html [18. Februar 2020]